Der Konversateur
Erfahrungsberichte für den Alltag
Bisexualität
Kategorien: Liebe & Sexualität

Bisexualität, Foto: dnnya17_flickr

Wenn ein Mann eine Frau liebt, dann ist das romantisch. Wenn ein Mann einen Mann liebt, dann ist das gesellschaftlich mittlerweile akzeptabel. Wenn ein Mann jedoch eine Frau und einen Mann liebt, dann ist das Bisexualität – und diese gilt hierzulande immer noch als ein Tabuthema. Aber warum?
Schließlich outen sich Stars wie Madonna, Lady Gaga oder Inge Meysel doch auch als “beidufrig liebend”. Doch in diesen Fällen zielt das Outing wohl einfach auf Medieninteresse ab. Wer erinnert sich nicht an den spektakulären Kuss von Britney Spears und Madonna bei den MTV Music-Awards? Im Showgeschäft gilt Bisexualität als große Flexibilität. Das ist nützlich, um sich jedem Trend anzupassen. Was die Stars dann daheim in ihren Bettchen treiben, bleibt ihnen überlassen.
Doch das Showbusiness ist nur ein Teil der Gesellschaft, ein winzig kleiner Teil. Der Rest der Menschen, der nicht singend und tanzend auf der Bühne steht, muss heutzutage souverän wirken. Bisexualität wirkt nach außen hin immer, als könne man sich nicht recht entscheiden und ist daher ein erheblicher Einschnitt der Souveränität.
Klaus Wowereit ist schwul – das ist auch gut so. Wäre er bi, dann wäre das nicht mehr so gut, zumindest nicht für sein Image als Politiker. Denn gerade als dieser muss er besonders geradlinig wirken. Er hat sich für ein Ufer entschieden – selbst, wenn es das “falsche” sein mag – er hat sich zumindest entschieden.
Bisexualität passt nicht in das Schubladendenken, das in unserer Gesellschaft verbreitet ist. Wir versuchen immer, uns eine Ordnung zu schaffen, in die wir alles einsortieren können. Bei bisexuellen Menschen gelingt uns das nicht. Daher erscheinen sie uns “unheimlich”. Wir wollen, dass Dinge berechenbar sind. Wenn wir jedoch nicht wissen, ob unser Gesprächspartner uns oder unseren Partner anziehender findet, dann macht uns das Angst. Unsere natürliche Ordnung ist gestört. Es gibt sogar eine Skala, die den Grad der Heterosexualität angibt. Diese wurde 1948 von amerikanischen Sexualforschern veröffentlicht. 0 bedeutet hierbei, dass man ausschließlich hetero ist. Eine 6 ist homo. Alles, was sich dazwischen bewegt, sind bisexuelle Abstufungen. Viele Menschen sind sich jedoch selbst nicht sicher, ob sie bisexuell sind. Ist es denn schon bi, wenn man mal über Sex mit dem gleichen Geschlecht nachdenkt?

Schlagwörter:,

Hinterlasse ein Kommentar